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Schweizerische Gewerbezeitung - Christoph Wieland im Interview

Schweizerische Gewerbezeitung - Christoph Wieland im Interview

Mehr Taxifahrer, aber nicht mehr Fahrten

FOKUS KMU – Uber mischt auch die Schweizer Taxibranche auf. Diese hat zwar eigene, ebenfalls digitale Lösungen parat. Das 
alleine reicht aber noch nicht. Für TaxiSuisse-Präsident Christoph Wieland ist deshalb klar: Faire Rahmenbedingungen müssen her.

Schweizerische Gewerbezeitung: Anfang 2017 hat TaxiSuisse mit go! eine Schweizer Taxi-App lanciert. Kommen Sie da nicht etwas spät?

Christoph Wieland: Wir haben nicht das Gefühl, dass wir zu spät sind. Wir mussten zuerst eine Plattform schaffen, die die Firmen-
strukturen sowohl von grossen 
Unternehmen mit bis zu 600 Taxis wie auch den Einmannbetrieb zusammenführt. Der zweite Punkt ist 
die Gesetzgebung. Diese ist kan-
tonal geregelt, in der Praxis wer-
den die Reglemente aber meistens von den Gemeinden erlassen. Mit über 2000 Gemeinden haben wir 
theoretisch genauso viele Gesetzgebungen. Von sehr stark regulier-
ten Gemeinden bis zu Nullregelungen ist alles dabei. All das mussten wir mit der Applikation abbilden 
und wir haben den Eindruck, dass wir in diesen zwei Jahren, in de-
nen wir an der App arbeiten, sehr schnell gewesen sind mit einer 
Reaktion.

Was bringt go! Ihren Kunden genau, was kann die App?

Es ist eine klassische Taxi-Bestellungs-App. Wir können damit Fixpreise anbieten, der Kunde weiss 
also zum Zeitpunkt, an dem er das Taxi bestellt, was seine Fahrt kosten wird. Wir können auch Vorbestellungen machen, was uns erlaub,t bei anderen Reisebuchungsplattformen dabei zu sein.

Was hat sich im Personentransport in der Schweiz seit dem Markteintritt von Uber verändert?

Es gibt Orte in der Schweiz, wie zum Beispiel in Freiburg, wo ich herkomme, da gibt es Uber gar nicht. In den grossen Ballungszentren Zürich, Basel und Genf, da spürt man heftig, dass Uber auf dem Markt ist. Geändert hat sich vor allem, dass es viel mehr Personen gibt, die Taxifahrten durchführen, man hat viel mehr Ressourcen, leider aber nicht mehr Fahrten.

Sie fordern faire Rahmenbedingungen im Taxiwesen. Was verstehen Sie darunter?

Uber macht das Gleiche wie ein Taxi. Sie fahren den Kunden von A nach B und kassieren dafür ein Entgelt. Sie sind aber nicht den gleichen gesetzlichen Grundlagen unterstellt wie wir. Die Chauffeure von Uber haben keine Zulassung für Personentransporte, über die unsere Taxifahrer verfügen müssen. Ausserdem sind viele Uber-Fahrzeuge für den Personentransport nicht zugelassen. Dass Uber diesen Bedingungen nicht unterstellt ist, ist für uns als Taxiunternehmen sehr schwierig, denn genau diese Punkte verursachen grosse 
Kosten. Es kann schlussendlich nicht sein, dass ein Anbieter bezahlen muss und der andere nicht.

Es geht also um gleiche 
Voraussetzungen?

Ja, genau. Ich staune immer wieder, dass das nicht selbstverständlich ist. Ich habe das Gefühl, dass der Rechtsstaat unter dem Deckmantel der Digitalisierung Kompromisse eingeht, bei denen ich Mühe habe, diese zu verstehen. Wir vollziehen die Entwicklung selber auch. Es gab ja schon Taxi-Applikationen, bevor Uber in die Schweiz gekommen ist. Das ist nichts Neues. Neu ist nur, dass sie es mit Fahrern machen, die keinen Ausweis besitzen. Ausserdem drücken sie sich meiner Meinung nach mit der Aussage, sie hätten keine Angestellten, vor der Verantwortung. Als Unternehmer haben wir eine Verantwortung unseren Angestellten gegenüber, zum Beispiel, was Sozialleistungen anbelangt. Uber ignoriert das und fährt dadurch günstiger. Wir kämpfen deshalb auch auf politischer Ebene für gleich lange Spiesse.

Was sagen Sie zu den Angriffen, denen Uber-Fahrer zum Beispiel in Basel ausgesetzt waren?

Wir als Dachverband der Schweizerischen Taxibranche verurteilen dies scharf. Gewalt darf nie eine Antwort sein. Auf der anderen Seite zeigt es die Verzweiflung einiger Taxi-Chauffeure und dieses Zeichen müssen wir ernstnehmen. Das gilt für uns als Verband wie auch für die Politik. KMU, die Jahrzehnte im Geschäft sind, 
haben Umsatzeinbussen von 40 bis 50 Prozent. Wir versuchen, die Betroffenen zu motivieren, dass sie zu unserem Verband kommen, damit wir politisch etwas bewirken können.

Interview: Adrian Uhlmann

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